17. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2001 - erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Die Etappe des Euro
Der Euro ist eine weitere Etappe im Einigungsprozeß Europas
 
Der Gastkommentar
Nein zur Schnellstraße durch das Pustertal
 
Wer sind wir? Was sind wir?
Betrachtungen zur Südtiroler Identität
 
Vorstellung ohne Inhalte
Zur Landesversammlung der SVP
 
Etikettenschwindel am "Siegesplatz" in Bozen

 
Der Islam und die westliche Welt

Eine vergleichende historische Analyse
 

DAS ÄRGERNIS
aus „Die Zeit"

Ministerpräsident Berlusconi hat während der Weihnachtsferien nicht nur den Entschluß gefaßt, seinen europafreundlichen Außenminister zu feuern, er hat auch ein weiteres wichtiges Problem des Landes erkannt: die Straßenprostitution. Dieses Schauspiel sei beschämend und ein Ärgernis.
Schade, daß Berlusconi nicht ähnliche Schamgefühle für ein Ereignis empfindet, das in diesen Tagen in Mailand stattfindet und ihn persönlich betrifft. Er und sein Vertrauensanwalt Previti sind die Hauptangeklagten in einem Prozeß, der den Besitzwechsel des Lebensmittelkonzerns SME betrifft. Die Anklage wirft den beiden Herren vor, diese Transaktion durch massive Bestechung der zuständigen Richter in Rom „arrangiert" zu haben. Es gibt eine Kronzeugin, es gibt gerichtliche Unterlagen auch aus dem Ausland. Das schert die Angeklagten nicht. Sie sind offensichtlich gar nicht daran interessiert, ihre Unschuld zu beweisen, sondern ihre Anwälte versuchen mit allen juridischen Spitzfindigkeiten und mit der massiven Unterstützung des Justizministers die Abhaltung des Prozesses zu verhindern. Dies könnte ihnen trotz der energischen Bemühungen der Richter auch gelingen.
Die UmstŠnde um diesen Proze§ zeigen, wie es um die Moral der regierenden ăNeuen Klasse" steht. Im Vergleich zu diesem €rgernis mu§ man die von Berlusconi ins Visier genommenen Stra§enhuren als HŸterinnen der Tugend bezeichnen.