16. Jahrgang - Nr.5 November/Dezember 2000-erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Wo gibt's die Leitkultur?
Ein mißverständlicher Begriff
 
Ein Ritual ohne Inhalte
Zur Landesversammlung der SVP.
 
Wieviel Heimat braucht der Mensch?
Süd-Tirol zwischen Heimat und Un-Heimat.
 
Eine umstrittene Entscheidung
Die Seligsprechung des Giovanni Maria Mastai Ferretti, mit Papstnamen Pius IX. (Pontifikat 1846-78).
 
Der Schuss ging nach hinten los
Die Landtagswahlen im Burgenland.
 
Rinderwahnsinn
Der Irrsinn der industrialisierten Viehwirtschaftv
 
 
Die Natur ist trotzdem stärker
Der besonders regnerische Monat Oktober hat in Südtirol eine ganze Reihe von sogenannten Naturkatastrophen ausgelöst, die erhebliche Schäden verursacht haben. In fast allen Teilen des Landes ist es zu Murenabgängen, Überschwemmungen, Steinschlag und Straßenunterbrechungen gekommen, die manchmal dramatische Ausmaße angenommen haben. Es ist vor allem dem ständigen Einsatz der lokalen Feuerwehren und dem guten Katastrophenschutzprogramm des Landes zu verdanken, daß die Verwüstungen nicht noch schwerer waren. Die Ereignisse im Aostatal, die fast zur selben Zeit stattgefunden haben, sind dafür eine eindrucksvolle Bestätigung.

Trotzdem sollte man mit der Bezeichnung Naturkatastrophe vorsichtig umgehen, denn manches ist dabei vom Menschen selbst in die Wege geleitet worden und die Natur hat sich nur auf ihre Weise dafür gerächt. Wenn zum Beispiel plötzlich Erdwälle aufgeschüttet werden müssen, um neue Siedlungen zu schützen, so fragt man sich, warum dort überhaupt gebaut worden ist. Der Hinweis, daß in den Alpentälern der nutzbare Grund knapp ist, reicht als Erklärung nicht aus. Die Wahrheit ist, daß durch den zunehmenden Wohlstand ein Zersiedlungsdrang eingesetzt hat, der keine Rücksicht mehr auf die Landschaft und ihre Möglichkeiten nimmt. Die lokalen Verwalter sind dabei einem enormen politischen Druck ausgesetzt.

Das zeigt sich bei der Planung von neuen Bergstraßen, die massive Einschnitte in das geologische und ökologische Gleichgewicht eines Gebietes darstellen. Man glaubt, man könne mit den modernen technischen Mitteln der Natur seinen Willen aufzwingen, und erlebt dabei schmerzliche Überraschungen.

Noch dramatischer ist die Situation, wenn es um die Ausweisung neuer Sportanlagen, besonders neuer Schigebiete geht. Hier ist der Druck der mächtigen Interessengruppen auf die Volksvertreter noch massiver. Es geht dabei ums große Geld, und wir erleben leider, daß die Politiker in letzter Zeit diesem Druck oft gegen jede Vernunft und Einsicht nachgeben. Das beweisen die Genehmigungen neuer Anlagen am Helm in Sexten und am Kronplatz. Man hat dabei die berechtigten Einwände der Umwelt- und Naturschützer unter den Tisch gekehrt; in. Den Augen der Landesregierung haben diese nur eine Alibifunktion. Damit werden die Interessen der Gemeinschaft dem Profit einiger weniger geopfert.