17. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2001 - erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Der Besuch
Präsident Ciampis kritische Aussagen zu Südtirol
 
Weg von der "Gschertenrepublik"
Die revolutionären Vorschläge des SVP-Abg. Zeller
 
"Es riecht nach Gummiknüppeln"
Genua und die Folgen
 
Neuer Herkules für alten Augiasstall gesucht
Das chronische Schlamassel der Vereinigten Bühnen Bozen
 
(Nord)Tiroler Geschichten
Eine seltsame unheilige Allianz
 

EIN FREUND SÜDTIROLS IST TOT
Am 22. Juli ist in Mailand nach kurzer Krankheit der Journalist Indro Montanelli in seinem 92. Lebensjahr gestorben. Montanelli war nicht nur ein brillanter Journalist und Schriftsteller, sondern auch eine in allen Lagern anerkannte Persönlichkeit.
Indro Montanelli
Indro Montanelli

Das Geheimnis seines großen Erfolges waren seine absolute Unabhängigkeit, seine moralische Integrität und seine Fähigkeit, dem Leser in einfachen und klaren Worten seine Beobachtungen zu schildern und seine Meinungen zu erklären. Montanelli diente nie einem "Herren", er diente - das bestätigte er immer wieder - nur seinen Lesern. Deshalb hatte er auch keine politische Heimat. Er war ein echter liberaler Freigeist.

Diese Einstellung, mit der immer wieder aneckte, kennzeichnete auch sein Verhältnis zu Südtirol. Als er als junger Reserveoffizier erstmals zu Manövern nach Südtirol kam, erkannte er, daß dies kein italienisches Land war. Hier lebten Menschen anderer Sprache und anderer Kultur, die ihre Eigenständigkeit bewahren wollten. Mit dieser Erkenntnis zog er sich natürlich die Feindschaft aller nationalistischen Politiker und Trommler zu, die ihn deshalb immer wieder attackierten. Montanelli hat sehr dazu beigetragen, daß das Problem Südtirol - im Gegensatz zu den meisten italienischen Journalisten verwendete er immer diese Bezeichnung - in der italienischen Öffentlichkeit bekannt und objektiv dargestellt wurde.

Vor zwei Jahren regten die "Südtiroler Nachrichten" dazu an, daß die Landesregierung Indro Montanelli in Anerkennung seiner Verdienste um das Land eine Auszeichnung verleihen solle. Aber unsere Kulturbanausen sind zu solchen Gesten nicht fähig. Trotzdem werden sicherlich zahlreiche Südtiroler, die seine Tätigkeit als Journalist und Historiker geschätzt und bis zuletzt im "Corriere della Sera" seine "stanza" mit Interesse gelesen haben, Indro Montanelli als Freund dieses Landes und als moralische Instanz in Erinnerung behalten.