17. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2001-erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Die Bewährungsprobe
Der Sieg der SVP im Bündnis mit dem Ulivo...
 
Mühsamer start von Berlusconi II
Der Kampf um Posten und Macht.
 
Die Stunde der "Langobarden"
Italiens Norden will in Zukunft auch politisch Maßstäbe setzen.
 
So geht es nicht
Anmerkungen zur Regierungspraxis in Südtirol.
 
Heimat in der Sprache
Plädoyer für die Erhaltung der eigenen Sprache.
 
In eigener Sache

LESERBRIEFE
Überregional bedeutende Schriftsteller
Sehr geehrter Herr Riedmann, Sie beklagen in Ihrem Artikel "Fließend Deutsch ..." in den "Südtiroler Nachrichten", 17. Jahrgang, Nr. 1 das Fehlen von Lesungen "überregional bedeutender Schriftsteller und Dichter" in Südtirol. Ist Ihnen die gestrige Lesung von Albert v. Schirdings, dem man wohl die Bezeichnung "überregional bedeutend" nicht absprechen kann, in Eppan entgangen? Ebensowenig habe ich Sie bei der Lesung Gerd Jonkes bemerkt oder bei der Lesung Eckart Henschels in Lana. Auch bei der Lesung des nun gewiß weit überregional bedeutenden Kirchhoff in Bozen habe ich Sie nicht gesehen, ebenso wenig bei der von Alissa Walser. Vielleicht kommen Sie zur Lesung von Dieter Hildebrandt am 6. Juni in St. Pauls? Ist der wenigstens in Ihren Augen überregional bedeutend genug?

Herbert Rosendorfer
Eppan, den 23.05.2001

Die Partei der Opportunisten
Ich teile nicht die Meinung des Dr Jenny (SN 2-2001), wonach die SVP den Volkstumskampf aufgeben muß, nachdem sie eine Wahlgemeinschaft mit dem Ulivo eingegangen ist. Das sind Überlegungen, die ein politisches Bewußtsein und entsprechende Grundsätze voraussetzen. Das fehlt den SVP-Leuten ebenso in der Führungsspitze wie an der Basis. Die SVP hat keinerlei Grundsätze und selbst der Hinweis auf christliche Grundwerte hat nur folkloristischen Wert. Ihr geht es um die Macht und vor allem um das Geld, das diese Macht absichert. Deshalb wird sie nie den schwammigen Begriff der Sammelpartei aller Südtiroler aufgeben, mit dem sie ihre oft widersprüchlichen Aktionen rechtfertigt. So kann sie gleichzeitig stramm zu Schüssel und Stoiber stehen, Bündnisse mit den italienischen Sozialkommunisten eingehen, den lieben Freund Andreotti pflegen, den Kanzler Schröder um seine Schirmherrschaft bitten usw. Dies alles nach Belieben und Opportunität. Dieser Opportunismus prägt auch die Tätigkeit der Landesverwaltung, die eine eigenständige autonomistische Kultur unmöglich macht. Parteipolitische Machtansprüche verbinden sich erfolgreich mit wichtigen wirtschaftlichen Interessen und bestimmen den Kurs. Das bestätigt die enge Zusammenarbeit zwischen SVP-Führung und Athesia-Verlag, der in diesem Sinne sein weitgehendes Informationsmonopol systematisch einsetzt. Ob dieser von Opportunismus bestimmte Weg letztlich den Südtirolern gut bekommt, werden wir oder unsere Nachfahren beurteilen können.
Name ist der Redaktion bekannt

Woher die Besucher?
Das Meraner Thermenprojekt nimmt seinen Lauf. Durnwalder und seine Meraner Freunde und Parteigenossen wollen die geplanten 150 Milliarden Lire rasch unter das Volk bringen. Da gibt es keine gültigen Gegenargumente mehr. Die von einem Bürgerkomitee eingeleitete Befragung der Bürgerschaft kommt nach Meinung der "maßgebenden Behörden" zu spät und wird bereits von den "Dolomiten" entschieden abgelehnt. Auch die von Fachleuten erhobenen Einwände sind nicht beachtet worden. Nun kann man nur hoffen, daß die geplanten Kosten des Projektes nicht wie beim Botanischen Garten von Schloß Trautmannsdorf um das Vielfache steigen und daß schließlich die neuen Thermen zu einem Attraktionspunkt für die Kurstadt werden. Allerdings wurde ein wiederholt vorgebrachter sachlicher Einwand vom Betreiberkomitee bisher nie beantwortet. Wenn dieses neue Wellness-Bad sich rentieren soll, muß es jährlich von 350 000 Besuchern benützt werden. Das bedeutet, daß täglich 1.000 Personen dort Spaß oder Heilung suchen. Selbst bei den kühnsten Erwartungen kann man sich nicht vorstellen, woher dieser Besucherstrom kommen soll. Dies um so mehr, als laut Aussagen des Komitees der therapeutische Teil der Thermen gegenüber dem Wellnessektor deutlich kleiner sein soll. Angesichts der Altersstruktur der Meraner Kurgäste wäre aber ein gut geführtes und ausgestattetes Kurangebot ­ ähnlich wie in Bad Ragatz ­ sicherlich realitätsnäher. Angesichts der großen Anzahl von Hotels und Pensionen, die im Burggrafenamt und in Südtirol überhaupt bereits Wellnesseinrichtungen haben, kann man sich nicht vorstellen, daß man deshalb nach Meran zu den Thermen gehen wird. So wie die Dinge jetzt ausschauen, werden die nächsten Generationen von Bürgern und Verwaltern dieses Problem zu studieren und zu lösen haben. Zu beneiden sind sie deswegen keineswegs.

M.A.-Lana