18. Jahrgang - Nr.2 März/April 2002 - erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Die Solidarität
 
Die nützlichen Idioten
Die Qualen der Arbeitnehmer in der SVP
 
Nachruf für Prof. Hans Marberger
 
Südtirol und sein sowjetisches Gesundheitssystem
Eine kritische Analyse
 
Wer sind wir, was sind wir
Betrachtungen zur Südtiroler Identität (3.Folge)
 
Zum Thema Sterbehilfe
Das neue disbezügliche Gesetz in Holland

DER GROSSE INTELLIGENZWETTBEWERB FÜR TALSCHAFTEN BEWERBUNGSSCHREIBEN

Mit Gottvertrauen und unbescheiden, wie man bei uns im Pustertal ist, streben wir zielbewusst den ersten Platz an. Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken, denn: „mir sein mir, mir sein bleda als die Schtier, mir sein schterka als die Bam.......!" Gewohnheitsmäßig kommt unsere erste Garnitur aus Pfalzen: „Mister Tschusto" sorgt dafür, dass wir im gesamten Staatsgebiet wettbewerbskonform eingeordnet werden. Ohne seinen Einsatz würde ganz Italien glauben, dass wir auf unsere Mehrsprachigkeit stolz sind oder dass wir zumindest sprechen können! Um unser kulturelles Erbe werden wir überall beneidet. Dem gilt es jetzt entgegenzuhalten: Wir schleifen alles Typische und die noch verbliebenen architektonischen Kleinodien und geben unseren Provinz-Zeitgeistarchi-tekten ein meist zentrales Betätigungsfeld. Dadurch erreichen wir einerseits, dass sich die Gäste bei uns wie zu Hause fühlen und sich den langen Anreiseweg folglich sparen. Andererseits bedeutet dies neue Punkte im Wettkampf der Talschaften.

Eine weitere Hürde auf dem Weg zum Sieg könnte ein zu kluger Umgang mit unserem landschaftlichen Kapital darstellen. Der Name „grünes Tal" ist zu positiv belegt. Daraus muss ehestens ein graues werden. Dafür sorgen unsere durch Subventionen aufgedunsenen Baufirmen mit dem Schlachtruf: „Die Arbeit geht uns aus!" Da man schon jedem einzelnen Baum eine eigene Forststraße, jedem Rinnsal sein Betonkorsett, jeder Trockenmauer einen Zyklopenersatz, jedem Feld seine Meliorierung sowie jedem Weiler sein Zweitwohnungsstadtviertel gebaut hat, sieht man sich zur Zeit nach neuen Ufern um. Dabei schlagen wir drei Fliegen auf einen Streich:

A: Wir schaffen zwecks Gastarbeiterbeschäftigung dort Arbeit, wo man besser nichts täte.

B: Tatsächlich ist es bisher gelungen, uns größere fremde Verkehrsflüsse durch unser Tal vom Halse zu halten. Das bringt leider keine Punkte; man könnte uns unter- stellen, wir würden auf eine halbwegs gesunde Umwelt Wert legen oder gar tatenlos zusehen, wie unsere Talböden nicht zur Gänze verbaut werden! Unsere „Experten von den Sammelpartei-, Wirtschafts- und Verkehrsausschüssen" sind in dieser Sache zur Zeit ergiebig unterwegs. Sie sind bester Laune und werden dieses Manko ehestens zu beheben wissen; wäre ja noch schöner!

 
C: Ein willkommener Nebeneffekt unserer Bemühungen um Verkehr ist die Förderung des Tagestourismus, zur hellen Freude der Aufstiegsanlagenaktionäre. Andernfalls würde man uns nachsagen, die Gesamtwirtschaft profitiere vom Tourismus oder dass wir Qualitätstourismus möchten! Jeder sieht also, wie gründlich wir arbeiten; jedenfalls können wir behaupten, unser Bestes zu geben. Eigentlich müsste der Sieg unser sein! Wir schwören zudem, unseren zweifellos triumphalen Erfolg nach bestem Wissen und Gewissen absichern zu wollen, wenn sich weitere Möglichkeiten dazu bieten und falls uns wider Erwarten doch noch ein Konkurrenztal gefährlich wird! Wenn es sein muss, reden wir uns hinter vorgehaltener Hand sogar die Alemagna selber herbei. Und selbstverständlich werden wir bei Bedarf durch noch stärkere Pflege eines breiten politischen Analphabetismus alle Gegner auf die Plätze verweisen! Sieg und Prost!

Walter Harpf - Bruneck