18. Jahrgang - Nr.2 März/April 2002 - erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Die Solidarität
 
Nachruf für Prof. Hans Marberger
 
Südtirol und sein sowjetisches Gesundheitssystem
Eine kritische Analyse
 
Wer sind wir, was sind wir
Betrachtungen zur Südtiroler Identität (3.Folge)
 
Zum Thema Sterbehilfe
Das neue disbezügliche Gesetz in Holland
Intelligenzwettbewerb  der Talschaften
Eine ironische Glosse

DIE NÜTZLICHEN IDIOTEN

Wie oft haben die Südtiroler aus "berufenem und interessiertem Munde" zu hören bekommen, daß die Sammelpartei unerläßlich für den Weiterbestand der Volksgruppe sei und daß man sich deshalb hierzulande normale demokratische Zustände nicht leisten könne? Ein guter Slogan ist in der Werbung der entscheidende Trumpf - das wissen die Leute von der SVP-Füh-rungsspitze, die diese falsche Behauptung mit tatkräftiger (interessierter) Hilfe des Athesia-Verlages seit Jahrzehnten verbreiten und bestens davon leben.

Es hat unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sicherlich eine Zeit gegeben, in der die gemeinsame Position der Südtiroler gegenüber Rom notwendig war, um sich auf Staatsebene politisch durchzusetzen. Außerdem waren die Arbeitnehmer damals durch die Option massiv dezimiert worden, denn nur sie wurden zur Auswanderung genötigt, während die Besitzenden im Lande geblieben waren.

Das alles ist längst Geschichte, aus der aber die ewig Gelackmeierten, nämlich die Südtiroler Arbeitnehmer, offensichtlich nichts gelernt haben. Immer wieder haben die Konservativ-Klerikalen im Namen der nationalen Einheit ihre Interessen durchgesetzt und verhindert, daß andere Parteien als berechtigte Vertreterinnen anderer Interessengruppen entstehen könnten. Der Pluralismus, der in anderen Ländern selbstverständlich, ja sogar die Grundlage der Demokratie ist, wurde hier als Verrat an der Volksgruppe verteufelt. Nun ist vor wenigen Wochen in Meran etwas passiert, was die ganze Absurdität der Sammelpartei vor Augen führt. Eine ehrgeizige SVP-Lokalpolitikerin, Frau Dr. Stirner Brantsch, die nicht zu den Arbeitnehmern gehört, hat in einem sorgsam geplanten Coup den lokalen Sozialausschuß "übernommen". Sie hat nämlich zu dem von der SVP anberaumten Wahlabend ihre Clique, durchwegs Selbständige, mobilisiert, und im Nu waren die "echten" Vertreter der Arbeitnehmer, die sich das nicht erwartet hatten, abgewählt und durch ganz neue Personen ersetzt.

Formal war die Sache in Ordnung, denn die Wahl stand allen SVP-Mitgliedern offen. In der Tat war es ein ungeheurer Affront gegen den sogenannten sozialen Flügel der SVP. Die Abgewählten protestierten, beriefen sich auf die Sammelpartei, aber die höheren Parteiinstanzen samt dem angerufenen Parteiobmann Brugger hatten für sie nur tröstende Worte. Im übrigen gelten solche hinterfotzige Aktionen, mit denen man dem Gegner "einen Tuck antut", in der bäuerlich geprägten Südtiroler Gesellschaft als Beweise hoher Politik. Der Groll bei den Geleimten an der Basis ist groß. Nicht so bei den Führern der Arbeitnehmer, von denen nicht weniger als fünf im Landtag, zwei davon in der Landesregierung sitzen. Einer, Dr. Saurer, ist sogar stellvertretender Landeshauptmann und erklärt bei opportunen Anlässen immer wieder , daß er "links stehe". Man hätte erwartet, daß diese hochgestellten Arbeitnehmervertreter in einer solchen Angelegenheit die Muskeln spielen und

 

ihrer verarschten Basis zu Hilfe kommen. Aber nichts ist geschehen. Es bestätigt sich noch einmal, daß der Trick mit der Sammelpartei immer noch gut funktioniert und daß die SVP-Führung die Vertreter der "Arbeitnehmer" recht sorgsam ausgesucht und richtig eingeschätzt hat. Die wahren Arbeitnehmer an der Basis haben nun Zeit nachzudenken, wie lange sie noch die Rolle der nützlichen Idioten in der SVP spielen wollen.