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Hoch oben über der Straße nach Rein in Taufers wird der Hof "Kofler zwischen den Wänden" durch eine neue Straße "erschlossen";
dass dabei ein einzigartiger Wanderweg zerstört wird, scheint nur ein paar Heimatschützer zu stören. Ähnliches geschieht bei der
Stolla- Alm in Altprags. Beispiele für solche Zerstörungswut findet man im ganzen Land, sodass sich die Frage stellt: Wohin wird
diese Entwicklung führen?
Die Hochkonjunktur der vergangenen Jahre scheint im Begriff zu sein, zum Fluch für unser Land zu werden: Denn mittlerweile gibt
es bei uns beinahe weniger Bergbauern als Baufirmen. Deren Fuhrparks sind dermaßen aufgeblasen, als wollte man ganz Mitteleuropa
umbauen.
Inzwischen hat fast jeder Baum seine eigene Forststraße, ganze Ortschaften wurden ferienwohnungsgerecht umgebaut und ausverkauft, Flüsse und Bäche wurden in enge Betonrinnen gezwängt, Fluren und Hecken fielen der sogenannten "Meliorierung" zum Opfer. Jetzt ist die Erschließung der allerletzten Höfe (was in Einzelfällen sogar gerechtfertigt sein mag) und Almhütten dran. Als nächstes sollen die Landesstraßen mittels entsprechender politischer Unterstützung in überdimensionierter Weise ausgebaut werden. Und vieles deutet darauf hin, dass man sich bei politischem Druck und unter Krokodilstränen wohl auch dem Bau der Alemagna-Autobahn nicht verschließen würde: Neben Vertretern der (teilweise sinnlosen) Transportwirtschaft scheinen sich letzthin auch andere Persönlichkeiten für Südtirols Verkehrstauglichkeit stark zu machen. Wer sich ihnen noch anschließt, werden die nächsten Monate zeigen.
Sollte daraus aber trotz aller Bemühungen nichts werden, hat man immer noch Pläne für Kraftwerke in Rein und anderswo in den
Schubladen. Und der letzte Schrei sind die "grenzüberschreitenden Skigebiete"!
Die Nutznießer dieses Wahn-Systems sind zwar einerseits die Beschäftigten, in weitaus größerem Ausmaß aber die Inhaber der
Baufirmen: Eingespielte Teams von Politikern und Lobbyisten sorgen für einen konstanten Kreislauf von Subventionsmilliarden
und Aufträgen. Der verbleibende Rest unserer Bevölkerung und nicht zuletzt unsere Wirtschaft, deren wichtigstes Standbein der
Tourismus ist, leidet zunehmend unter dieser Entwicklung! Dabei würde im Rahmen eines Gesamtkonzeptes zugunsten einer
Lebensqualitätssteigerung und Verschönerung (nicht Zerstörung) in unserem Land niemandem die Arbeit ausgehen; auch nicht
unseren Baufirmen. Im Gegenteil: Durch eine Vielzahl von kleineren Projekten blieben wahrscheinlich mehr Aufträge im Land.
Offiziell wird man nicht müde, den "Qualitätstourismus" zu fordern; tatsächlich wird aber alles für die „Quantität" unserer
Gäste getan, im Sinne der Aufstiegsanlagenaktionäre, einer überdrehten Bauwirtschaft, weniger Bus-"Tour"-Unternehmen und einer
Vielzahl von Übernachtungsbetrieben mit Ausverkaufspreisen.
Wenn wir nicht umdenken, könnten in wenigen Jahren vom viel gepriesenen Paradies Südtirol nur noch betonierte und asphaltierte
Berge und Täler, aussterbende
Orts- und Stadtkerne und eine bankrotte Tourismuswirtschaft mit einem Heer von Arbeitslosen übrig bleiben. Der Höhenflug des Südtiroler Wirtschaftswunders fände so sein Ende.
Solange Dummheit, Kurzsichtigkeit und Raffgier gesellschaftlichen Beifall finden, sehen wir schwarz für unser Land!
Walter Harpf für die Bürgerinitiativen Bruneck-Pustertal.
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