18. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2002 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS |
In dieser Ausgabe:
Die Grenzen der Autonomie
Eine kritische Bewertung
 
Teurer Polittourismus
Südtiroler Politiker in aller Welt
 
Wer sind, was sind wir?
Zur Südtiroler Identität (2.Teil)
 
Eine Österreichishe "Gschichtn"
Haiders Provokationen
 
Die Achse des Bösen
Die gefährliche Schurkentheorie des  Präsidenten Bush
Das Bildungsproblem
Betrachtungen zur PISA-Studie
Hommage an Bruno Kreisky und an die österreichische Sozialdemokratie

 

Wird das Paradies Südtirol endgültig zur Betonhölle?
Hoch oben über der Straße nach Rein in Taufers wird der Hof "Kofler zwischen den Wänden" durch eine neue Straße "erschlossen"; dass dabei ein einzigartiger Wanderweg zerstört wird, scheint nur ein paar Heimatschützer zu stören. Ähnliches geschieht bei der Stolla- Alm in Altprags. Beispiele für solche Zerstörungswut findet man im ganzen Land, sodass sich die Frage stellt: Wohin wird diese Entwicklung führen?

Die Hochkonjunktur der vergangenen Jahre scheint im Begriff zu sein, zum Fluch für unser Land zu werden: Denn mittlerweile gibt es bei uns beinahe weniger Bergbauern als Baufirmen. Deren Fuhrparks sind dermaßen aufgeblasen, als wollte man ganz Mitteleuropa umbauen. Inzwischen hat fast jeder Baum seine eigene Forststraße, ganze Ortschaften wurden ferienwohnungsgerecht umgebaut und ausverkauft, Flüsse und Bäche wurden in enge Betonrinnen gezwängt, Fluren und Hecken fielen der sogenannten "Meliorierung" zum Opfer. Jetzt ist die Erschließung der allerletzten Höfe (was in Einzelfällen sogar gerechtfertigt sein mag) und Almhütten dran. Als nächstes sollen die Landesstraßen mittels entsprechender politischer Unterstützung in überdimensionierter Weise ausgebaut werden. Und vieles deutet darauf hin, dass man sich bei politischem Druck und unter Krokodilstränen wohl auch dem Bau der Alemagna-Autobahn nicht verschließen würde: Neben Vertretern der (teilweise sinnlosen) Transportwirtschaft scheinen sich letzthin auch andere Persönlichkeiten für Südtirols Verkehrstauglichkeit stark zu machen. Wer sich ihnen noch anschließt, werden die nächsten Monate zeigen. Sollte daraus aber trotz aller Bemühungen nichts werden, hat man immer noch Pläne für Kraftwerke in Rein und anderswo in den Schubladen. Und der letzte Schrei sind die "grenzüberschreitenden Skigebiete"!

Die Nutznießer dieses Wahn-Systems sind zwar einerseits die Beschäftigten, in weitaus größerem Ausmaß aber die Inhaber der Baufirmen: Eingespielte Teams von Politikern und Lobbyisten sorgen für einen konstanten Kreislauf von Subventionsmilliarden und Aufträgen. Der verbleibende Rest unserer Bevölkerung und nicht zuletzt unsere Wirtschaft, deren wichtigstes Standbein der Tourismus ist, leidet zunehmend unter dieser Entwicklung! Dabei würde im Rahmen eines Gesamtkonzeptes zugunsten einer Lebensqualitätssteigerung und Verschönerung (nicht Zerstörung) in unserem Land niemandem die Arbeit ausgehen; auch nicht unseren Baufirmen. Im Gegenteil: Durch eine Vielzahl von kleineren Projekten blieben wahrscheinlich mehr Aufträge im Land. Offiziell wird man nicht müde, den "Qualitätstourismus" zu fordern; tatsächlich wird aber alles für die „Quantität" unserer Gäste getan, im Sinne der Aufstiegsanlagenaktionäre, einer überdrehten Bauwirtschaft, weniger Bus-"Tour"-Unternehmen und einer Vielzahl von Übernachtungsbetrieben mit Ausverkaufspreisen. Wenn wir nicht umdenken, könnten in wenigen Jahren vom viel gepriesenen Paradies Südtirol nur noch betonierte und asphaltierte Berge und Täler, aussterbende Orts- und Stadtkerne und eine bankrotte Tourismuswirtschaft mit einem Heer von Arbeitslosen übrig bleiben. Der Höhenflug des Südtiroler Wirtschaftswunders fände so sein Ende. Solange Dummheit, Kurzsichtigkeit und Raffgier gesellschaftlichen Beifall finden, sehen wir schwarz für unser Land!

Walter Harpf für die Bürgerinitiativen Bruneck-Pustertal.