|
Unter diesem Motto steht die Ausstellung,
die von der Stiftung Bruno Kreisky Archiv und dem Historischen Museum der Stadt Wien auf Initiative des
Südtiroler Kulturinstitutes vom 14. März bis 10.April im Walterhaus in Bozen gezeigt wird. Eröffnet wird
die Ausstellung vom Präsidenten des Österreichischen Nationalrates Dr. Heinz Fischer, einem der profiliertesten
österreichischen Sozialdemokraten.
Den Leitgedanken für eine solche Würdigung hat Bruno Kreisky selbst in seinen Memoiren formuliert, als er schrieb:
"Ich lege keinen Wert auf Kränze, ich lege keinen Wert auf Denkmäler (...). Worauf ich aber Wert legen würde oder was
ich gerne hätte, wäre, wenn einmal die Periode, in der ich die politischen Verhältnisse in Österreich beeinflussen konnte –
denn mehr als beeinflussen kann man sie nicht – als eine Periode der Einleitung großer Reformen betrachtet wird, die ihre
gesellschaftlichen Spuren hinterlassen und eine Besserung der gesellschaftlichen Verhältnisse gebracht haben. (...)
Nichts wäre grauslicher als der Gedanke, daß man nur administriert hat."
Der Modernisierungschub, den Kreisky und seine SPÖ, als sie im März 1970 die Regierung übernahmen, dem Land verordneten,
war in der Tat gewaltig. Verkrustete Strukturen wurden aufgebrochen, frischer Wind wehte durch die Amtsstuben. Zu den sichtbarsten
Erfolgen gehört die Aufwertung der Rolle der Frau in der Gesellschaft, die Durchsetzung der Chancengleichheit in Schule und Universität,
die Förderung der sozial Schwachen. Dieser Reformeifer des Linken Kreisky war eine besondere Herausforderung für die konservativen Kräfte,
die ihn zeitlebens heftig bekämpften.
Auch in der Außenpolitik setzte Kreisky neue Akzente. Selbst in der Zeit des Kalten Krieges, als der Eiserne Vorhang Europa für
immer zu spalten drohte, pflegte Kreisky trotz aller Drohungen der Moskauer Kommunisten die Verbindung zu den im Exil lebenden Vertretern
der Sozialdemokraten der Ostländer und entwickelte gesamteuropäische Konzepte, die man damals für utopisch hielt. Sein Blick über Europa
hinaus, speziell in der Frage des Nahen Ostens zeugt von einer besonderen politischen Weitsicht. Angesichts der heutigen Verhältnisse und
der politischen Sackgasse, in der sich Israel befindet, klingen Kreiskys Mahnungen geradezu prophetisch. Sie haben ihm, der damals die
Öffnung zur arabischen Welt gegen erhebliche Widerstände durchsetzte, die erbitterte Feindschaft der Zionisten eingebracht.
In der Causa Südtirol gelang Kreisky ein entscheidender Durchbruch. Jahrelange hatte Italien darauf bestanden, daß das Abkommen
Degasperi-Gruber über die Autonomie Südtirols erfüllt sei und es sich nun nur mehr um ein internes italienisches Problem handle.
Dabei gingen die Unterwanderungsversuche in der Provinz Bozen weiter und Rom versuchte die Bestrebungen der Südtiroler als revanchistische,
nationalistische Agitation abzutun. Nun trat ein österreichischer Außenminister auf, der 21 Monate in den Gefängnissen der Austrofaschis-
ten und der Nazis verbrachte hatte, und erklärte, daß er als Sozialdemokrat das Selbstbestimmungsrecht der Völker selbstverständlich
bejahe, daß er aber angesichts der Lage in Europa alles unternehmen wolle, um die legitimen Rechte der "österreichischen Minderheit"
in Italien im Zeichen einer international abgesicherten Autonomie durchzusetzen. Die Internationalisierung der Südtirolfrage durch den
Beschluß der Vereinten Nationen vom Oktober 1960 war eine Meisterleistung Kreiskys und die entscheidende Weichenstellung für die weiteren
Verhandlungen.
Trotzdem lehnte die SVP letztlich Kreiskys Plan für Südtirol ab. Es überwogen dabei die parteipolitischen Überlegungen und Bindungen der
konservativ-klerikalen Südtiroler Führung und die Angst vor der Etablierung einer sozialdemokratischen Bewegung im Lande. Als Kreisky im
Frühjahr 1966 aus der Regierung ausschied, kam es zum offenen Bruch. Das ging so weit, daß die SVP einen Auftritt Kreiskys in Südtirol mit
Hilfe der DC verhinderte und die Südtiroler Sozialdemokraten als Feinde der Autonomie bezeichnete und bekämpfte.
Nun werden bei der Eröffnung dieser Ausstellung maßgebliche Politiker der SVP Grußworte sprechen. Ist das ein Zeichen der Einsicht und des
verspäteten Dankes an einen Mann, der sich so sehr um Tirol verdient gemacht hat? Wir wollen es hoffen. Eine besondere Freude und Genugtuung
ist dieses Ereignis jedenfalls für die kleine Schar der Südtiroler Sozialdemokraten, die Bruno Kreisky als hilfreichen Genossen und politischen
Lehrmeister in treuer Erinnerung haben. e.j.
|