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Mit seinem Irak-Besuch und dessen großartiger propagandistischer Ausschlachtung hat Haider wieder einmal sein Talent
als Populist und Selbstdarsteller bewiesen. In einsamer Spitze dominiert er nunmehr an Österreichs Stammtischen und
kann mit Freude feststellen, daß er Freund und Feind gleichermaßen verwirrt hat.
Auch bei dieser Gelegenheit hat der Kärntner Landeshauptmann die vielfach unterschwelligen Stimmungen der Österreicher
recht gut erfaßt. Alle diejenigen, die mit Unwillen und Mißtrauen die Präpotenz der amerikanischen Supermacht als
"Gendarm des Guten" in der Welt ertragen, freuen sich über den frechen Streich des Jörgl, der dem amerikanischen Onkel
auf die Füße getreten ist. Nicht weniger zahlreich sind diejenigen, die in diesem Husarenritt nach Bagdad einen
lautstarken Protest gegen die von den USA geförderte brutale Repressionspolitik der Israelis in Palästina sehen.
Haider hat dieser Protestdemonstration noch einen entsprechenden Nachdruck verliehen, als er wenige Tage nach seiner
Bagdadreise in seiner Aschermittwochrede in Ried weitere Akzente setzte. Dabei hat er auch heiße Themen aufgegriffen,
die in der österreichischen Öffentlichkeit lebhaft diskutiert werden, siehe Temelin oder die Beneschdekrete, samt den
entlarvenden Sprüche des tschechischen Nationalfaschisten Zeman. Damit ist ihm die Zustimmung breiter Bevölkerungskreise
sicher. In ihren Augen ist dies endlich wieder einmal der echte Haider, der sich traut, „denen da oben die Wahrheit zu
sagen".
Allerdings zu „denen da oben" gehören mittlerweile auch die Minister und Regierungsfunktionäre der FPÖ, die keine
Absicht haben, sich von den erst kürzlich eroberten Ämtern und Privilegien zu trennen. Einige von ihnen wollten diesmal
die Ausfälle und Angriffe ihres Mentors nicht unwidersprochen hinnehmen; erstmals gab es offenes Aufbegehren und der
Klubobmann Hojac alias Westenthaler, ansonsten ein folgsamer Knecht, brachte dies zum Ausdruck.
Haider reagierte mit gewohnter lautstarker Härte und Zweideutigkeit. Sollen doch die Meckerer und Kritiker nun alleine
zurechtkommen, er stehe diesen „erwachsenen Kindern" nicht mehr im Wege - so sein Kommentar. Selten war Haider so sehr
im Einklang mit seiner Basis, selten war er so einsam im Kreis jener Personen, denen er zum politischen Aufstieg verholfen
hat.
Wie geht es nun weiter? Die FPÖ ohne Haider gibt es nicht. Könnten die Figuren, die er bisher geschaffen, manövriert und
rücksichtslos beherrscht hat, in der Lage sein, etwas von der alten FPÖ zu retten und sich „da oben" behaupten? Das traut
ihnen kaum jemand zu, wahrscheinlicher ist, daß nach großem Spektakel alle so tun, als sei nichts geschehen.
Eine Spezialität dieser typisch „österreichischen Gschichtn", in der sich wiederum alle Ungereimtheiten und unbewältigten
Probleme der Alpenrepublik widerspiegeln, ist das Verhalten des Koalitionspartners der FPÖ, nämlich der ÖVP. Schüssel,
Bundeskanzler von Haiders Gnaden, ebenso wie seine ÖVP-Minister ertra-
gen mit stoischer Ruhe und heroischer Selbstverleugnung all die Quälereien, die ihnen Haider systematisch antut.
Ja, sie bringen es sogar fertig zu verkünden, daß diese Haltung nur den angemessenen Respekt vor dem Koalitionspartner
zum Ausdruck bringe. Dabei ist der Fasching längst vorbei.
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