17. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2001-erscheint zweimonatlich
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In dieser Ausgabe:
Der neue Zentralismus
Die mißbrauchte Autonomie.
 
Wahlmanöver
Im Vorfeld der italienischen Parlamentswahlen.
 
Leserbrief
 
 
Fließend Deutsch und Warmwasser
Zur Sprachkultur in Süd-Tirol.
 
Viechereien
 
 
Die andere Seite des Krieges
Zum Einsatz der Nato in Kosovo -Eine kritische Bilanz.
 
Zufriedener mit politischer Mitbestimmung
Initiative für mehr Demokratie - Ein Plädoyer für mehr Mitbestimmung und direkte Demokratie.
 

Die durchorganisierte Gesundheit

"Die Territoriale Direktion verhandelt und legt gegenüber der Strategischen Direktion des Betriebes das den Diensten des Territorialen Bereiches zugeteilte Budget fest, trägt zur strategischen Planung des eigenen Bereiches bei und steht den Diensten/Verantwortungsberei-chen bei ihrer operationellen Betriebsplanung bei." Diese Stilblüte aus dem Gesundheitsassessorat ist in ihrer unverständlichen Verworrenheit die Begründung zur Einführung einer neuen bürokratischen Struktur im Gesundheitsdienst. Praktisch geht es darum, einige neue Beamtenstellen mit entsprechendem Anhang von Büros und Schreibkräften zu schaffen.

Es ist erstaunlich, mit welch blinder Besessenheit Landesrat Saurer und sein Team die staatlich-bürokratische Vereinnahmung des Gesundheitsdienstes vorantreiben. Man hat den Eindruck, daß man hier eine besondere Form des "realen Sozialismus" einführen möchte, der überall anderswo gescheitert ist. Unter dem verlogenen Vorwand der Demokratisierung werden Maßnahmen gesetzt, die genau das Gegenteil dessen erreichen, was man angeblich anstrebt. Nicht mit der Abschaffung des Titels eines Primars, nicht mit der Forcierung der fachärztlichen Betreuung durch die Krankenhäuser und nicht mit der sogenannten zentralen Anmeldung ­ kein Kontakt mehr zwischen Patient und Arzt - (um nur einige Beispiele zu nennen) schafft man Chancengleichheit in der medizinischen Betreuung. In Wirklichkeit entsteht dadurch eine Zweiklassenmedizin mit all den Folgen, die sich daraus ergeben. Besonders der wirtschaftlich Schwächere kommt dabei unter die Räder.

Die wahren Probleme liegen in der gestörten Beziehung zwischen Arzt und Patient, die das jetzige System mit seinem absurden bürokratischen Überbau bewirkt hat. Das ist der zentrale Punkt, den man in gewissen politischen Kreisen aus ideologischer Voreingenommenheit nicht sehen will. Auch in dieser Zeitung sind mehrmals konkrete Vorschläge geäußert worden, wie man auf diesem wichtigen Sektor die nötigen Veränderungen und Verbesserungen herbeiführen könnte.

"Giovanni, wenn Du mich wirklich liebst , versprich mir, daß Du sterben wirst ohne krank zu werden", aus "Cuore"

Im Grunde genommen sind es logische Erkenntnisse, die auch vom jetzigen Gesundheitsminister Prof. Veronesi, der aus der medizinischen Praxis kommt, immer wieder aufgezeigt wurden. In erster Linie geht es darum, den sogenannten Basisarzt aufzuwerten und ihn wieder zum Hausarzt bzw. Familienarzt zu machen. Heute ist dieser Basisarzt ein verbeamteter Schreiber, der ebenso frustriert ist wie seine Patienten. Man muß für ihn die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, damit er seine neue Rolle erfüllen kann. Ein weiterer entscheidender Schritt ist die Reorganisation des Krankenhauses und seine Festlegung auf seine Rolle als letzte und wichtigste Instanz der stationären Behandlung.

Das bedeutet, daß man das Krankenhaus von all jenen Aufgaben befreien muß, die man ihm ebenfalls aus rein ideologischen Gründen aufgehalst hat. In der kollektivistischen Wahnvorstellung alles sei billiger, was öffentlich ist, hat man den Krankenhäusern die gesamte fachärztliche Betreuung aufgezwungen mit dem Erfolg, daß es dort laufend zu Engpässen und Wartezeiten kommt. Diese Korrekturmaßnahmen sind auch unbedingt notwendig, um die steigenden Kosten des Gesundheitssystems endlich unter Kontrolle zu bekommen. Der Gesundheitsdienst muß so gestaltet werden, daß er wirklich den Bedürfnissen des Kranken und nicht den realitätsfernen Vorstellungen einer Bürokratenkaste entspricht.